COMER SEE URLAUB - 2009
Der Bericht erreichte uns Ende Februar von Helmut, der mit seinen
zwei Söhnen am Comer See Urlaub machte: im Februar! Respekt!
Sonntag, 22.02.09: Anreise über die Alpen
Am Sonntag vor dem Rosenmontag 2009 ging es los in
Richtung Comer See. Ein Familienvater und seine zwei Söhne,
einer 9 Jahre, der andere 7 Jahre. Das Auto voll gepackt bis
unters Dach, kämpften sie sich durch ein Schneechaos an
den Nordalpen. Schneefall von Memmingen bis zum San Bernardino.
Kurz vor Chur gab es Entwarnung, am Straßenrand das Schild
mit der erlösenden Nachricht: San Bernardino-Pass gesperrt,
San Bernardino-Tunnel geöffnet. Trotzdem Schneefall bis
zum Tunneleingang, auf der anderen Seite Sonnenschein, wie schon
so oft. Ein paar Kilometer weiter, ein Parkplatz, schön
gelegen an der Abfahrt ins Tal von Bellinzona, die Temperatur
steigt auf 9°. Was für ein Kontrast. Weiter unten im
Tag steigt dann die Anzeige bis auf 13,5°, fast schon Frühlingsgefühle.
Die Kinder auf der Rücksitzbank kriegen fast garnichts
mit. Zu sehr sind sie in die Geschichten, die aus dem MP3-Player
kommen, vertieft: Bibi Blocksberg und TKKG, ständige Reisebegleiter
auf Autofahrten.
Bei Lugano geht es dann von der Autobahn und im Anschluss hinter
... über die Grenze nach Italien. Bei Menaggio sehen wir
den See zum ersten Mal, die nachmittägliche Sonne wirft
die Umgebung in ein atemberaubendes Licht. Nur noch 14 km bis
Gravedona, dort liegt unsere Ferienwohnung, am Hang klebend
und hoch über dem See, mit einer fantastischen Aussicht
auf den Monte Legnone, dem höchsten Berg am Comer See.
1. Tag: Der Monte Legnoncino im Winter?
Um 6.45 Uhr von den Jungs geweckt, frühstücken
die Urlauber und zögern die Abfahrt erfolgreich bis 9.30
Uhr heraus. Kinder wandern gerne, aber nicht immer. Dann geht
es aber los, auf den kleinen Bruder des Monte Legnone, dem
mit ca. 2609 Metern, höchsten Berg am Comer See. Aber
auch der kleinere Bruder hat es in sich: von unten gesehen
noch schneebedeckt, heißt es, dass man mit dem Auto
bis nach oben fahren kann, und viele Touris dies auch machen,
allerdings nur im Sommer.
Wir probieren es, fahren in Dervio ab ins Valvarone-Tal, wo
es schnell abenteuerlich wird. Die Straße hat nur Platz
für ein Fahrzeug in der Breite. Heute ist aber zum Glück
wenig Verkehr, so dass nur zweimal eine Ausweichstelle gefunden
werden muss. Da kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Heißer
wird es dann auf einer Höhe von ca. 1350 Metern. Die
Straße wird immer schmäler, an den Seiten türmen
sich Schneemassen von bald einem Meter. Irgendwann ist dann
die Straße schneebedeckt, und es ist besser das Fahrzeug
stehen zu lassen. Zu Fuß geht es dann weiter in Richtung
Rifugio Rocalla, die berühmte Berghütte ca. eine
halbe Stunde unterhalb des Monte Legnoncino. Wegen der Aussicht
ist dieser Ausflug eigentlich ausgewählt worden, die
soll atemberaubend sein. Da kann man gespannt sein.
Auf dem Weg begegnet man einem Mann aus Bratislava: er hat
es geschafft, ist mit dem Auto bis zum oberen Parkplatz gefahren.
Es scheint ein Vierrädler zu sein. Er gibt auch einen
guten Tipp: zu viel Schnee sei oben, es geht nur mit Schneeschuhen
weiter. Mit eigenen Augen sehen, das ist jetzt die Devise.
Nach einer halben Stunde ist es dann klar. Der Weg zum kleinen
Legnone ist definitiv zugeschneit, auch von der Hütte
ist nichts zu sehen. Schnee bis auf Augenhöhe, nur der
Parkplatz ist geräumt. Ohne entsprechende Ausrüstung
bleibt nur eines, der Rückzug. Ein kurzer Halt in Dervio-Strand
soll etwas gute Stimmung bei den Kindern bringen. Fehlanzeige.
Ein Wind von fast Sturmstärke senkt die Temperaturen
auf ca. 6°C, für uns zu wenig, um lange hier zu bleiben.
Der Strandbereich ist allerdings schön angelegt, eine
Ristorante und eine Surfschule sorgen für das Ambiente,
nutzbar allerdings erst ein paar Monate später. Im Anschluss
geht es zurück in die Fewo, unterwegs kaufen wir im Centro
commerciale in Colico ein. Die Außentemperaturen betragen
stolze 15°, für Ende Februar ein sehr guter Wert.
2. Tag: Die Strada Regina von San Carlo [Gravedona] nach Domaso
und zurück
Der Zufall will es, dass die Strada Regina antiqua
direkt an der Wohnanlage Casa Rina vorbeiführt. Für
uns also kein Problem direkt in den Streckenverlauf einzusteigen.
Tags zuvor hatte der Wirt noch gezeigt, wo es losgeht. Ein
bisschen gefährlich ist die Strecke anfangs schon, unmittelbar
neben dem Pfad geht es teilweise bis zu 30 Meter steil bergab.
Nach 500 Metern die erste Rast, Kinder brauchen eben mehrere
kleine Mahlzeiten, das weiß man als Familienvater. Nur
komisch, dass die Blicke zu allererst auf die Schokolade gerichtet
sind. Gestärkt geht es weiter mit ständigen Super-Ausblicken
auf den Comer See. Die Strada Regina ist die ursprüngliche
Verbindungsstraße zwischen Como und Chiavenna, meist
verläuft sie weiter oben an den Berghängen und diente
früher als Verbindungsstrecke für die Bauern und
Ziegenhirten. Ein sehr schön gestalteter Reiseführer
erklärt übrigens alles bis ins kleinste Detail,
ist mit schönen selbst gezeichneten Karten versehen und
kann z.B. in Dongo bei der Touriinfo in deutscher Sprache
bezogen werden. Jede Etappe dauert ungefähr 3 bis 4 Stunden
und ist leicht zu gehen, man braucht also außer trittsicherem
Schuhwerk keine hochalpine Erfahrung. Die Begebenheit der
Strecke wechselt von Erde über alte Steinpfade bis zu
Asphalt, einige Streckenabschnitte wurden im Laufe der zeit
einfach auch als Straßen genutzt, dies v.a. in den Ortschaften,
was irgendwo klar ist.
Weiter aber mit der Wanderung. An jedem Grundstück werden
wir von Hunden begrüßt, manche freundlich, manche
unfreundlich. Wenn man ehrlich ist, nervt es irgendwann. Auch
ist die Angst, ein größerer Hund könnte einmal
frei herumlaufen, ständig präsent. So präsent
wie zwei Schweizer Messer, die wir griffbereit bei uns haben.
Im Streckenverlauf muss man auch seiner Intuition folgen,
die Wege erkennen und auch damit rechnen, mal falsch zu gehen.
Schließlich erreichen wir Domaso, laufen von Kirche
zu Kirche, über kleine Brücken, letztlich zum Strand,
um etwas Pause zu machen. Die Kinder sind voll in ihrem Element,
spüren die eiskalten Finger kaum mehr, wollen aber immer
weiter spielen. Mitten im See ein Wasserflugzeug, wohl ein
Flugschüler, er fliegt ein lande- und Startmanöver
hintereinander. Nach gut einer Stunde treten wir den Rückweg
an. Die Kinder wollen den selben Weg zurück, eine Fahrt
mit dem Tragflügelboot interessiert sie kaum, und so
stapfen wir den Berg wieder hinauf, der böse Hund ist
zum Glück nicht mehr da, nach ca. 1 Stunde erreichen
wir unser Urlaubsdomizil. Ein schöner Kaffee, ein bisschen
Gebäck, und alle sind wieder glücklich. Gegen 17
Uhr geht es noch einmal hinunter nach Gravedona, ein paar
Dinge einkaufen, auf den Spielplatz und die Strandpromenade
einmal rauf und runter, das war es dann für diesen Tag.
3. Tag: Der Sentiero del Viandante von Varenna zum Fiumelatte
Überraschender Weise sind meine Jungs bei der
Verkündung des heutigen Programms gar nicht abgeneigt:
Wanderung auf die Burg von Vezio und anschließender
Marsch zum FiumeLatte. Also Gelegenheit nutzen und nichts
wie los. Zunächst besuchen wir das Örtchen Rezzonico
und lassen uns von der Romantik dieses Ortes begeistern. Anschließend
finden wir uns am Fährhafen von Menaggio ein und warten
ca. 40 Minuten auf die Überfahrt. Für EUR 12,60
dürfen ein Erwachsener, zwei Kinder und ein Auto von
Menaggio nach Varenna mit. Ganze 4 Autos besetzen das Deck
und es ist auch etwas zugig an Bord. Trotzdem bleiben wir
nicht im Auto sitzen, sondern machen Fotos von allen möglichen
Motiven: Menaggio, Varenna, Bellagio etc. Nach 12 Minuten
erreichen wir Varenna, die Burg thront hoch über dem
Ort, unser Ziel. Gleich bei der Hauptstraße beginnt
der Anstieg auf alten Steinpfaden, anfangs noch im Ort, später
über Acker und Wiedelandschaft.
Oben angekommen eine kleine Enttäuschung: das Tor zur
Burg ist verschlossen. Im Winter kein Zugang zur Burg, schade.
Eine schnell anberaumte Pause mit ordentlicher Verpflegung
lässt das Unglück schnell vergessen. Dann also gleich
zum FiumeLatte, das kürzeste Flüsschen der Welt,
wie in einem Reiseführer genannt wird. Der Weg dorthin
ist zauberhaft, angenehm warm ist es dazu. Olivenbäume,
Felder und Wiesen zäumen unseren Weg, dann geht es teilweise
unter Bäumen weiter, mal bergauf, mal bergab, sogar an
einer Kanone aus vergangenen Kriegen kommen wir vorbei. Also,
für Abwechslung ist gesorgt. Der Fiume ist dann allerdings
etwas enttäuschend: kein Wasser! Also, im Simmer gibt
es kein Wasser! Zu trocken, Im Winter gibt es kein Wasser,
auch zu trocken. Ja, wann fließt dann überhaupt
mal etwas? Wir wissen es nicht. Den Namen hat dieses Flüsschen
übrigens von dem Schaum, der entsteht, wenn das Wasser
mit hoher Geschwindigkeit aus dem Berg herausschießt.
Der weißliche Schaum gibt dem Fluss dann den Namen 'Milchfluss'.
Einige Picknicktische, ein Grill und eine schöne Aussicht
entschädigen uns für den leicht anstrengenden Aufstieg.
Der Rückmarsch führt uns dann direkt nach Varenna,
der vielleicht romantischte Ort am Comer See. Uns zieht es
gelich ans Wasser, ein sonniges Bänkchen lädt zum
Verweilen ein. Kurz darauf eine Dame übergibt uns eine
Plastiktüte mit alten Semmeld, für die Enten, versucht
sie uns in italienisch zu erklären. Wir verstehen schnell
und nach ca. 30 Sekunden sind ungefähr 40 Wasservögel
um uns herum. Anscheinend ist es im Winter schwer für
die sonst so verwöhnten Tiere. Für uns eine willkommende
Abwechslung, um dann später über den eigens gebauten
Küstenpfad zum Parkplatz zu gelangen.
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