Forte Montecchio

Auf dem Dach befinden sich die riesigen Kanonen, die allerdings noch niemals abgefeuert wurden.

Forte Montecchio
Die Wehranlage auf einer leichten Anhöhe etwas nördlich der Ortsmitte von Colico ist Sinnbild für die Ängste und Spannungen, die über Jahrhunderte zwischen den dort ansässigen Volksgruppen herrschten. Die Mächtigkeit der vier Kanonen zeigt darüber hinaus auch die strategische Bedeutung des nördlichen Comer Sees für die Gebirgstäler Val Chiavenna, Valtellina und das eigentliche Seetal. Die italienische Regierung wollte mit dem Bau der Anlage mögliche Angriffe aus Österreich und der Schweiz verhindern. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Überlegungen für den Aufbau einer Verteidigungslinie am Ende des Comer Sees. Im April 1911 erfolgte schließlich der Auftrag zum Bau, 1914 konnten die wesentlichen Teile der Anlage fertiggestellt werden.


Die Anlage ist fast vollständig intakt, die Führung sehr interessant.

Das Forte besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: der Unterkunft für die Truppen auf dem Areal der Geschütze und dem Offiziersbereich mit Kommandostation, Schreibstube, Krankenzimmer und Versorgungsräumen weiter südlich. Beide Bereiche sind mit einem gepanzerten, überirdisch verlaufenden Weg verbunden. Alle Gebäude sind aus 1,5 bis 2 m dickem Stahlbeton erbaut und halten so direktem Beschuss aus mittelstarker Artillerie (Stand: 1930) stand. Auf dem Gelände befinden sich außerdem eine Kegelbahn, Damentoiletten und Waffenkammern. Alle Räume sind mit einer Belüftungsanlage versehen, um starker Feuchtigkeit und damit verstärktem Rostbefall der mechanischen Anlagen vorzubeugen. Besondere Anforderungen hatte die Pulverkammer zu erfüllen.

Durch eine ausgeklügelte Konstruktion der Entkoppelung von den Außenmauern in Verbindung mit Kondensationskörpern, an denen Luftfeuchtigkeit kondensiert und über ein Rinnensystem ablaufen kann, wurde die Funktionsfähigkeit des Sprengstoffs gewährleistet. Die Kanonenräume befinden sich eine Ebene höher und sind über steile enge Treppen zu erreichen. Oben in den Kanzeln hängt ein starker Geruch von Öl und Stahl  – auch dreißig Jahre nach der Aufgabe des Standorts! Die Granaten werden von unten über ein Förderband zu den Geschützen befördert. All das ist noch realitätsnah aufgebaut, freilich ohne Pulver. Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg auf das Dach der Geschützanlage. Die vier Kanonen mit ihren halbkugeligen Abschirmungen, ausgerichtet nach Norden, strahlen martialische Stärke aus und sorgten wohl schon immer für eine gehörige Portion Respekt. Die vier 149 mm Kanonen verfügen über eine Schussweite von ca. 14 km. Vielleicht ein Grund dafür, dass die Kanonen in ihrer fast 70-jährigen Bereitschaft nur einmal im Einsatz waren: Am 27. April 1945 wurden fünf Granaten abgeschossen. Ziel war die Gegend zwischen Dongo und Sorico, wo eine motorisierte Eskorte um den Faschisten Benito Mussolini aufgehalten werden sollte. Die Geschosse gingen damals ins Leere, Mussolini wurde dennoch von Partisanen aufgegriffen und einen Tag später erschossen.  Das Forte Montecchio kann nur innerhalb einer Führung besucht werden. Diese finden im Stundenrhythmus statt und dauern ca. 60 min. Die Führung wird in Italienisch und Englisch abgehalten.

Forte Montecchio Nord. Via alle Torri, 2. 23823 Colico. 0364 94617. www.fortemontecchionord.it. Preise von EUR 4,00 bis 7,00. Geöffnet von April bis Anfang November. 10.00 bis 17.00 (18.00) Uhr. GPS: 46°08‘37.27“N – 9°22‘53.73“E.